Auftakt 50 Jahre KULTUM: Im Bann (s)einer großen Erzählung: Josef Fink zum 25. Todestag

Johannes Rauchenberger richtete mit Elisabeth Koller, Architektin und Nichte des Künstlers, diese Schau aus. Gleichzeitig war der Eröffnungsabend auch die offizielle Übergabe der Erbinnen des Werks von Josef Fink an das KULTUMUSEUM Graz. Mehr als 1000 Werke finden nun in jener Stätte eine Heimstatt, die Fink 1975 gegründet und (die längste Zeit mit Harald Seuter) bis zu seinem Tod am 29. November geleitet hat.
Elisabeth Koller begründete im Namen ihrer Schwestern Renate Koller, Maria Schulze und Hildegard Keil die Schenkung an das KULTUM: "Wir sind der Überzeugung, dass hier zukünftig der beste Platz für sein umfangreiches Œuvre sein wird – als Fundament einer einzigartigen Institution, die von ihm vor nunmehr 50 Jahren gegründet wurde. Nicht als abgeschlossene Vergangenheit, sondern als lebendige Inspiration für die Zukunft. Seine Kunst soll weiter Menschen anregen, herausfordern und begleiten." Für Koller war Josef Fink "nicht nur eine beeindruckende Persönlichkeit der steirischen Kunst- und Kulturszene, sondern auch unser Onkel – ein Mensch, der uns geprägt hat, der uns inspiriert hat, der uns gezeigt hat, dass Kunst mehr ist als ein schönes Bild oder ein kluger Gedanke. Er sah Kunst als lebensnotwendig, als einen Raum der Entwicklung, des Dialogs und der spirituellen Auseinandersetzung. Diese Überzeugung hat ihn durch sein Leben getragen, und sie hat auch nach seinem Tod ihren Platz hier im Kulturzentrum behalten. Denn mit Johannes Rauchenberger und seinem Team hatte und hat dieses Haus eine Nachfolge, die mit großem Gespür, mit Leidenschaft und mit viel Mut neue Wege gegangen ist."
Co-Kuratorin Elisabeth Koller begründete im Namen ihrer Schwestern die Schenkung der Werke Josef Finks an das KULTUM
Elisabeth Koller bedankte sich bei Bischof Wilhelm Krautwaschl, bei Walter Prügger, dem Ressortleiter für Bildung, Kunst und Kultur, und bei den Bischöfen Johann Weber und Egon Kapellari: "Sie alle haben nicht nur das Kulturzentrum bei den Minoriten unterstützt, sondern stets die Auseinandersetzung von Kirche mit Kunst und Kultur gefördert – auch in ihrer kritischen Dimension. Ihre Offenheit und ihr Vertrauen in das Wirken dieses Hauses sind ein starkes Zeichen dafür, dass Kunst und Kirche in fruchtbarem Dialog stehen können. Ein besonderer Dank gebührt dem unglaublichen Team des Kulturzentrums bei den Minoriten, das dieses Erbe mit so viel Herzblut weiterführt. Es bedeutet uns viel zu wissen, dass Josef Finks Geist hier weiterlebt – im Sinne einer fortlaufenden Weiterentwicklung dieses Ortes, der nicht nur bewahrt, sondern lebendig bleibt und Brücken baut."
Zuvor hatte sich Generalvikar Erich Linhardt bei den Schenkerinnen bedankt und auf die Rolle von "Verkündigung des dreifaltigen, liebenden Gottes" in den Bildern Josef Finks hingewiesen: "Das ist die einzige Begründung, warum es Kirche gibt: die Verkündigung des Evangeliums". Linhardt hob hervor, wie Fink sein Priestersein auch abseits dessen "was Kirche zu sein scheint oder was sie gemeinhin anbietet, leben konnte". Das sei besonders auch Bischof Weber geschuldet, der Fink immer wieder ermutigt hatte. Linhardts Vorstellung von Kunst als Verkündigung des dreifaltigen Gottes deckt sich mit vielen Sakralraumgestaltungen Josef Finks, ob sie nun abstrakt sind wie jene im ehemaligen Bildungshaus Mariatrost (1974) oder ganz konkret wie in der Grazer Schutzengelkirche, wo an der Seite des "kosmischen Christus" schlicht der Schriftzug "I love you" (1996) steht.
Walter Prügger ist mit dem Amt für Schule und Bildung nun Teil des Minoritenzentrums
Der Ressortleiter für Bildung, Kunst und Kultur, Walter Prügger erinnerte in seinem Grußwort an den 12. November 2021, als mit "NEU, ATEM, NEU" die erste Veranstaltung im neu renovierten Minoritensaal stattfand und zitierte Margret Kreidls Text: "EINLEUCHTEND WEISS. Gleichzeitig erinnerte er an Nina Schuikis Installation "WINDSTOSS" mit den wehenden Vorhängen in der Ausstellung "EINATMEN – AUSATMEN" (2021). Mit diesem Tag ist Prügger mit dem Team des Schulamtes in die neu renovierten Räume im 2. Stock des Minoritenklosters gezogen, die sich hinter den Museumsräumen befinden. Im April wird dann auch das Team des Bildungsforums Mariatrost, der Nachfolgeeinrichtung des ehemaligen Bildungshauses Mariatrost (unter der Leitung von Kathrin Karloff) dorthin siedeln. Prügger sieht diese konkreten Reformschritte in Übereinstimmung mit dem Zukunftsbild der Diözese Graz-Seckau, die "vom Leben der Menschen ausgeht" und "neue Erfahrungsräume von Kirche" fördert.
Zur Eröffnung hat Johannes Rauchenberger den bekannten Vermittler von Kunst und Kirche auf internationalem Niveau, em. Univ. Prof. Dr. Friedhelm Mennekes SJ gebeten: Er hielt die Eröffnungsansprache, die die Zuhörenden im Minoritensaal bis auf den letzten Platz in den Bann gezogen hat: "Ich weiß, wo ich bin und ich weiß, wo ich heute bin", begann der wortgewaltige Jesuit seine Ausführungen. Er würdigte Fink als einen Mann mit ungeheurem Tiefsinn in Sprache und Bild. Von "zwei Großen" sprach Mennekes in der Folge und meinte damit Otto Mauer und Josef Fink: "Sie lagen sich zwar nicht in den Armen, aber der eine nahm vom andern Notiz."

Der wortgewaltige Jesuit P. Friedhelm Mennekes SJ sieht Fink als den jüngeren Otto Mauer
Ausgehend vom Raum über die "Todesahnungen" ließ Mennekes schließlich Josef Fink lebendig werden; gleichzeitig verwandelte sich die Festrede nicht nur zu einer Trauerrede, sondern zu einer, die Josef Fink am Ende förmlich in den Himmel trug.
"Wenn Ihr bei meinem Tod nicht tanzen könnt, seid Ihr selber schuld" – an diesen Satz Josef Finks zehn Jahre vor seinem Tod erinnerte schließlich Johannes Rauchenberger als unmittelbare Reaktion – Finks TänzerInnen besetzen den letzten Raum der Ausstellung.
Die Ausstellung "Im Bann (s)einer großen Erzählung" zeigt erstmals alle Werketappen Finks, von den frühen Bibelillustrationen der 1960er Jahre, dem Bruch mit der Figuration, seinen Sakralräumen, bis hin zur abstrakten Fotografie und der Auseinandersetzung mit den Schriftzeichen, denen er im Land der Bibel begegnet ist. Darauf basiert letztlich die unverkennbare Formensprache Finks, aus der er seine visionären Landschaften im Aquarell entwickelt.